WIR RÄUMEN MIT FALSCHEN MYTHEN AUF!

Die Gewerbeordnung ist ein gewachsenes und komplexes System. Deshalb ist eine Vereinfachung und Entbürokratisierung der Regelungen dringend nötig. Die aktuelle Diskussion basiert jedoch zum Großteil auf falschen Informationen. Mit diesen Mythen räumen wir hier auf!

Ja zum Meister - Mythen der Gewerbeordnung

Gewerbeanmeldung nur mit Meister – stimmt nicht!

Dieser Mythos basiert auf veraltetem Wissen. Seit 2002 besteht die individuelle Befähigung. Davor gab es Nachsichten (GewO 1973) und bereits während der Geltung der GewO 1859 (!) die Möglichkeit, „Dispens von der Ablegung der Meisterprüfung“ zu erhalten (§ 14c GewO 1859).

Viele glauben, dass man die 80 reglementierten Gewerbe nur mit Meisterprüfung ausüben darf. Das ist nicht richtig, jeder der etwas nachweislich gut kann, darf diese Tätigkeit gewerblich ausüben. Ohne übliche Ausbildung muss der Unternehmer in spe zeigen, dass er ausreichend Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen besitzt, um das betreffende Gewerbe auszuüben.

Die Gewerbeordnung setzt bei den reglementierten Gewerben eine konkrete Mindestqualifikation des Unternehmers voraus. Mindestqualifikation heißt jedoch nicht automatisch Meisterprüfung.

Beispiel Tischler: Ein Gründer zeigt in einer Arbeitsprobe (z.B. Teil einer Kommode), dass er die Fertigkeiten und Kenntnisse des Tischlerhandwerks aufweist. Die Bezirkshauptmannschaft als Gewerbebehörde erteilt ihm daraufhin die „Individuelle Befähigung“. Er darf sofort das Tischlerhandwerk ausüben.

Beispiel Konditor: Eine Gründerin möchte einen Cupcake-Laden eröffnen. Dafür weist sie anhand einer Arbeitsprobe, in diesem Fall Cupcake-Variationen, ihre Qualifikation nach. Die Gewerbebehörde erteilt ihr daraufhin die „Individuelle Befähigung“. Sie darf das Konditor-Gewerbe – eingeschränkt auf Cupcakes – sofort ausüben.

In Deutschland hat die Liberalisierung die Wirtschaft angeregt – stimmt nicht!

Dieser Mythos basiert auf den kurzfristigen Impulsen der Liberalisierung. Nach wenigen Jahren zeigt sich ein anderes Bild.

In Deutschland wurde 2004 die Anzahl der reglementierten Gewerbe auf weniger als die Hälfte reduziert. Nach fünf Jahren waren bereits 60 % der neu gegründeten Betriebe pleite, die Ausbildung ging radikal zurück und es wurden kaum neue Arbeitsplätze geschaffen. Bestehende Arbeitsplätze wurden gestrichen und weitere sind gefährdet.

Es entstand eine Entqualifizierungsspirale. Die zahlreichen neu hinzugekommenen Betriebe in den liberalisierten Gewerben bildeten de facto nicht aus. Die bestehenden Betriebe mussten Arbeitnehmer abbauen. Die neuen Betriebe waren großteils EPU ohne Mitarbeiter.

Alle politischen Parteien im Deutschen Bundestag haben in einer Bundestagsdebatte festgestellt, dass die Liberalisierung ein Fehler war.

Ja zum Meister - Mythen der Gewerbeordnung
Experten-Stimme
Beispiel Fliesenleger
Ja zum Meister - Mythen der Gewerbeordnung

Trafikanten dürfen keine Postkarten verkaufen – stimmt nicht!

Dieser Mythos basiert auf veraltetem Wissen. Seit 2003 ist Tabaktrafikanten der Verkauf von diversen Waren ohne zusätzliche Gewerbeberechtigung erlaubt.

Das Verkaufen von Postkarten ist Teil des Arbeits- und Tätigkeitsbereichs und steht Inhabern eines Tabakfachgeschäftes ausdrücklich zu. Die Monopolverwaltung kann auch weitere Waren als Nebenartikel und bestimmte Dienstleistungen zulassen.

Gebäudereiniger dürfen keine Innenräume putzen – stimmt nicht!

Dieser Mythos basiert auf falschem Wissen. Schon zur GewO 1859 war die „Zimmer- und Gebäudereinigung“ ein handwerksmäßiges Gewerbe (§ 1b Abs 2 Z 65 GewO 1859). Dieses wurde 1988 in „Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger“ umbenannt. Seit jeher dürfen dies Gewerbe auch Innenräume reinigen.

Für Reinigungstätigkeiten, egal ob innen oder außen ist nur eine Gewerbeberechtigung notwendig.

Dessen Berechtigung umfasst folgende Tätigkeiten: Büroreinigung inkl. Vorhängen, Baureinigung, Grundreinigung, Krankenhaus- und Pflegeheimreinigung, Industrie- und Gewerbebetriebsreinigung, Sanitärreinigung, Großküchenreinigung, Reinraumreinigung, Denkmalreinigung, Glasreinigung, Fassadenreinigung, Sauna- und Schwimmbadreinigung, Lüftungsreinigung, Hausbetreuung inkl. Grünflächenbetreuung und Schneeräumung, Verkehrsflächenreinigung, Solar- und Photovoltaikanlagenreinigung

Ja zum Meister - Mythen der Gewerbeordnung
Ja zum Meister - Mythen der Gewerbeordnung

Damenschneider dürfen keine Herrenkleidung nähen – stimmt nicht!

Dieser Mythos basiert auf veraltetem Wissen. Seit 1997 gibt es „Verbundene Handwerke“, wodurch für diese nur mehr ein Gewerbeschein nötig ist.

Jeder Herrenkleidermacher darf Damenröcke und -kleider nähen, er kann sich darauf auch spezialisieren. Genauso darf er Berufs- und Sportbekleidung, Unterwäsche etc. herstellen. Umgekehrt darf jeder Damenkleidermacher auch Herrenkleider nähen.

Weiteres Beispiel für verbundene Handwerke: Floristen und Gärtner – Gärtner dürfen Blumen binden und Floristen Gärten, Parkanlagen oder Gräber pflegen.